Erfahrungsschatz schafft Hörgenuss

Herausragendes Konzert des «Quantett Johannes Kobelt» in der Kunsthalle Ziegelhütte

Eine Reise durch «Länder» mit ureigener Musikkultur bot das «Quantett Johannes Kobelt» am Freitagabend in der Kunsthalle Ziegelhütte. Historische Instrumente und ein gereiftes Trio boten Hörgenuss.

Wenn drei top ausgebildete Musiker, die 45 Jahre zusammenarbeiten, ihre Highlights aus vierzehn Programmen vortragen, bleibt keine Frage offen. Johannes Kobelt, Katharina Kobelt und Adrian Bodmer beherrschen ihren Part im Schlaf. Aber sie schlafen nicht auf dem Podium – ihre Musik ist frisch und beschwingt wie eh und je.
Nicht zuletzt deshalb ist das Programm nach «Ländern» geordnet. Die Reise geht vom Paprika- über das Balalaikaland ins Chäsland (Schweiz), zitiert Meisterwerke von J. S. Bach, macht Halt in Brasilien, um ins Jazzland zu gelangen, wo gewisse Freiheiten den Horizont erweitern.

Alle drei Musizierenden sind Multi-Instrumentalisten. Die Geigerin Katharina Kobelt setzt Violine, Viola, eine winzige Tanzmeistergeige und eine Trichtervioline meisterhaft ein, spielt aber dank einschlägiger Studien auch die Balalaika stilvoll.
Johannes Kobelt wechselt locker vom Cello zum Kontrabass, greift aber auch zu Klarinette, Sopran-Saxophon und Schwyzerörgeli – als wäre nichts dabei.
Als verbindendes Element sitzt Adrian Bodmer dazwischen, der Gitarren, Bass-Saxophon, Balalaika, Banjo, Kontrabass und Bandoneon perfekt beherrscht.

Was dabei an musikalischer Vielfalt möglich wird, lässt sich kaum beschreiben. Klar ist, dass sechs Hände und ein Lippenpaar – jenes von Adrian Bodmer, der unglaubliche Textpassagen und Schnabulierübungen produziert – die ganze Welt umspannen.
Man bewegt sich zwischen feurigem Csárdás und ungarischer Melancholie über Chäs-Polka und Fondue-Schottisch zu Bach, wo ein Cello und eine Geige der Gebrüder Guarneri (frühes 18. Jh.) den Wohlklang des einst Erdachten gleichsam sphärisch verbreiten. Im Jazz-Medley tauchen die erlesensten Perlen des Genres auf, und erste Bravo-Rufe aus dem Publikum brechen sich Bahn.

Vollends angefeuert, beendet das Trio sein Konzert mit einer rumänischen Zigeunerweise, die Katharina Kobelt äusserst virtuos bis in die höchsten Töne mit Verve zelebriert, und dem beliebten «Air» von Bach. Es brauche am Ende etwas zum beruhigen, hält Johannes Kobelt fest – für die Musiker und das Publikum. «Mit hohem Puls schläft sich’s nicht leicht», so das längst ergraute Haupt. RR

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